Interview mit Hermann Rogge in der Funkschau vom 25. August 2017

 In Allgemein

Wiederaufbereitete IT- und TK-Produkte sind aktuell noch ein Nischenmarkt – der aber viel Potenzial birgt, besonders in Hinblick auf den Umweltschutz. Der französische Distributor Itancia hat sich auf das Recycling gebrauchter Technik spezialisiert und sieht darin ein Alleinstellungsmerkmal nicht nur im schwierigen TK-Umfeld.

Der deutsche Telekommunikationsmarkt ist leicht rückläufig und gilt schon seit einiger Zeit als schwieriges Umfeld. Anfang des Jahres prognostizierte der Branchenverband Bitkom, dass die Gesamtumsätze 2017 um 0,2 Prozent sinken würden. Eine Entwicklung, die nicht zuletzt von Verschmelzung der IT- und TK-Welt befeuert wird. Aber nicht für jedes Unternehmen ist diese Transformation per se negativ. „Unsere Erfahrung zeigt, dass der Kommunikationsmarkt für uns nicht rückläufig ist, sondern sich lediglich gewandelt hat“, erklärt Hermann Rogge im funkschau-Interview. Rogge ist Leiter der deutschen Niederlassung des französischen Distributors Itancia, der aktuell mit rund 360 Mitarbeitern in zehn Ländern aktiv ist. Das Unternehmen hat eine Sparte aufgebaut, die viel Potenzial bergen und das Geschäft unabhängiger von der starken Konkurrenz im Markt gestalten soll: Reparatur, Recycling und Wiederaufbereitung. Itancia wartet ITK-Produkte, kauft aber auch gebrauchte Geräte aus dem Markt zurück, um diese aufzubereiten und generalüberholt anzubieten. Rogge sieht in diesem Bereich ein Alleinstellungsmerkmal und einen „strategischen Wettbewerbsvorteil“, um sich dank diesem über die Hardware-Fokussierung und auch über das „Brotund- Butter-Geschäft vieler Distributoren“ hinwegzusetzen. „Die Itancia- Gruppe ist mit den Bereichen Recycling, Refurbishment und Reparatur groß geworden“, erklärt der Country Manager. „Ausgehend von der Idee, dass florierendes Business und Umweltschutz keine gegensätzlichen Werte sind, waren wir bestrebt, uns bei unserer Entwicklung an diesen beiden Pfeilern zu orientieren.“ Itancia ist laut Rogge spezialisiert auf die Reparatur aller Arten von Elektronikbauteilen und soll im Bereich der Endgeräte und Telefonanlagen mit rund 90.000 wiederaufbereiteten Artikeln wie Telefonen, Smartphones, PBX, DECT, Baugruppen sowie Switches und Routern unterschiedlicher Hersteller über das größte Recycling-Produkte-Lager in Europa verfügen.

 

Ökologisches Denken nimmt zu

Itancia verspricht seinen Kunden, dass sich aufgrund der Reparaturen Kosten und Rohstoffe einsparen lassen, ohne neuen Abfall zu erzeugen. So habe man innerhalb eines Jahres beispielsweise die Funktionstüchtigkeit von 8.000 Kartenprüfern und Kassenterminals sowie von 3.000 Massenspeichern wie Festplatten wiederhergestellt. Eine Reparatur nimmt in der Regel zwischen einem und fünf Tagen in Anspruch. Will sich ein Unternehmen hingegen von einem Gerät trennen, zählt Itancia einen Rücknahme- und Wiederverwertungsservice zu seinem Portfolio. „Wir bieten unseren Kunden für jedes überreichte Gerät einen Rücknahme- und Entsorgungsservice unter Beachtung der geltenden Umweltvorschriften, welche eine minimalisierte Auswirkung auf die Umwelt gewährleisten, an“, erklärt Rogge. Das sei besonders für deutsche Unternehmen spannend, da hier das ökologische Denken zunehme. „Es wird vermehrt darüber nachgedacht, wie man mit dem Thema Elektroschrott nachhaltig umgeht.“ Aber nicht nur das Umweltbewusstsein soll eine entscheidende Rolle spielen. Auch das Preisgefüge bei Hardwareprodukten habe sich aufgrund des steigenden Interesses an Cloud-Lösungen verändert, erläutert Rogge. Das Ergebnis: Unternehmen wollen oder können zusehends weniger investieren. „Da kann es sinnvoll sein, vorhandene Geräte zu reparieren oder reparierte Gebrauchtgeräte als Händler anzubieten“, so der Country Manager. Eingekauft würden diese Produkte durch Itancia überall in Europa, verkauft anschließend in europäischen Ländern sowie in Afrika.

 

Generalüberholt und gereinigt

Wer schon Erfahrung mit Refurbished IT gesammelt hat, der weiß, dass die aufbereitete Technik wenig mit den oft zweifelhaften Erlebnissen in Second-Hand-Modeläden gemein hat. „Die Geräte wurden sorgfältig generalüberholt und entsprechen der Qualität von Neuware, gegebenenfalls mit leichten Kratzern am Gehäuse“, sagt Rogge. „Jedes einzelne Gerät geht durch die Hände unserer erfahrenen Techniker, wird sorgfältig auf Funktionalität geprüft, generalüberholt, desinfiziert, auf Hochglanz poliert und neu verpackt.“ Für die Bestseller im Portfolio lässt Itancia beispielsweise Hörer, Displays, Tastaturen oder Schalen neu fertigen. Eine Hersteller-Garantie gibt es jedoch in den meisten Fällen nicht mehr, daher bietet der Distributor selbst eine Garantie von einem Jahr für die aufbereiteten Geräte an.

 

15.000 Smartphones und Tablets

„Green IT“ – ein Begriff, der in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat und das wachsende Bewusstsein für Naturschutz und Nachhaltigkeit wiederspiegelt. „Öko-Recycling“, wie es Itancia nennt, kann im Zuge dieses Trends eine wichtige Rolle spielen. Demnach gehen diese Produkte laut Rogge mit einer vier Mal geringeren Kohlenstoffemission als Neuprodukte einher. Die Kunden würden sich auf diesem Weg an der Bewahrung der natürlichen Ressourcen und an der Wiederverwertung von elektronischen Geräten beteiligen. „Korrekter Konsum und Qualität treten immer mehr an die Stelle von Billigprodukten, Preisdumping und verantwortungslosem Wirtschaften“, sagt der Country Manager. Man hätte seit 25 Jahren die Bestätigung, dass Verantwortung gegenüber der Erde sowie dem Menschen und erfolgreiches Wirtschaften Hand in Hand gehen könnten. Für Itancia scheint die Aufbereitungsstrategie aufzugehen. „Unser Reparaturgeschäft nimmt immer weiter zu“, berichtet Rogge. Der Value- Add-Distributor will in Deutschland dieses Jahr ein zweistelliges prozentuales Wachstum erreichen. Aber auch weltweit verfolgt das Unternehmen ehrgeizige Ziele. Erwirtschaftete Itancia 2015 einen Umsatz von 113 Millionen Euro, sollen es 2017 rund 150 Millionen Euro sein. Zu diesem Zweck hat der Distributor im vergangenen Jahr eine Millionen Euro investiert und die Recycling-Kapazitäten aufgestockt. Jetzt kann das Unternehmen pro Monat unter anderem 15.000 Smartphones und Tablets wieder aufbereiten. „Obwohl wir in Deutschland wie ein kleiner Mittelständler aufgestellt sind, haben wir eine große Firmengruppe im Rücken, die wirtschaftlich sehr gut dasteht und sich klar zum deutschen Markt bekennt“, erklärt Rogge im funkschau-Interview.

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